Lehrberuf des Monats Dezember 2025: Elektrotechnik
Der Lehrberuf Elektrotechnik bietet eine praxisnahe, vielseitige Ausbildung in der Industrie, eröffnet zahlreiche Berufswege und ist zukunftssicher durch technische Innovationen und Digitalisierung.
Warum ist Elektrotechnik gerade jetzt so wichtig?
Elektrotechnik ist das Rückgrat der modernen Industrie und für nahezu alle Lebensbereiche unverzichtbar – von Stromnetzen bis Smart Home.
Ohne verlässliche Stromversorgung und intelligente Steuerungssysteme funktioniert heutzutage kein Industriebetrieb mehr. Elektrotechniker:innen sorgen dafür, dass Maschinen, Anlagen, Gebäude und Infrastrukturen sicher und effizient laufen – von der Produktionsstraße über energieeffiziente Gebäudetechnik bis hin zu Mobilitätssystemen wie Bahn- oder Verkehrsanlagen.
In Kärnten spielt die Elektro- und Elektronikindustrie eine zentrale Rolle: Der Kompetenzradar der Industriellenvereinigung Kärnten zeigt, wie wichtig elektrotechnische Kompetenzen für die regionale Wirtschaft sind. Gleichzeitig geben fast 80 Prozent der Kärntner Industriebetriebe an, dass fehlende Kompetenzen bereits heute ihr Wachstum bremsen – gut ausgebildete Lehrlinge in der Elektrotechnik werden deshalb dringend gebraucht.
Wolfgang Pucher, Bildungsexperte der Industriellenvereinigung Kärnten: „Elektrotechnik ist der Schlüssel zur Digitalisierung und Energiewende – Lehrlinge stehen heute mitten im Zukunftsprozess.“
Wie ist die Lehre Elektrotechnik aufgebaut?
Die Lehre Elektrotechnik besteht aus einem zweijährigen Grundmodul, einem 1,5 jährigen Hauptmodul und optionalen Spezialmodulen für vertiefte Kompetenzen.
Die Ausbildung im Modullehrberuf Elektrotechnik ist klar strukturiert und gleichzeitig flexibel – ideal, wenn du dir eine solide Basis wünschst und dich später spezialisieren möchtest.
- Lehrzeit: 3,5 Jahre (Grundmodul + ein Hauptmodul).
- Verlängerung: 4 Jahre, wenn du zusätzlich ein Spezialmodul oder ein zweites Hauptmodul wählst.
- Ausbildungsform: Duale Ausbildung – du lernst im Betrieb und in der Berufsschule parallel.
| Modul | Dauer | Inhalte & Schwerpunkte | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Grundmodul | 2 Jahre | Grundlagen Elektrotechnik, Sicherheit, Messen, einfache Anlagen | ||||||
| Hauptmodul | 1,5 Jahre | Spezialisierung (z.B. Anlagen- und Betriebstechnik, Automatisierung- und Prozessleittechnik) | ||||||
| Spezialmodul (optional) | 0,5 Jahre | Vertiefung, z.B. Gebäudeleittechnik, erneuerbare Energien |
Im Grundmodul eignest du dir die Basis der Elektrotechnik an: elektrische Größen verstehen, Schaltpläne lesen, Leitungen verlegen, Schutzmaßnahmen anwenden und Messgeräte sicher bedienen.
Im Hauptmodul vertiefst du dein Wissen in einem klar abgegrenzten Bereich – etwa Gebäudeinstallationen, Energienetze oder Automatisierung – und arbeitest noch stärker an echten Projekten im Betrieb. Das passt perfekt zu den Ergebnissen des Kompetenzradars, der modulare, praxisnahe Bildungsangebote und einen Fokus auf Digitalisierung ausdrücklich empfiehlt.
Wolfgang Pucher, Bildungsexperte der IV Kärnten: „Das Modulsystem schafft Flexibilität und fördert gezielte Talententwicklung – ein echtes Plus in der Lehrlingsausbildung.“
Welche Hauptmodule kannst du im Lehrberuf Elektrotechnik wählen?
Im Lehrberuf Elektrotechnik kannst du zwischen vier Hauptmodulen wählen, die unterschiedliche Schwerpunkte und Karrierewege eröffnen.
1. Elektro- und Gebäudetechnik
Fokus auf elektrische Anlagen in Wohn- und Geschäftsgebäuden, von der Grundinstallation bis zu komplexer Gebäudesystemtechnik.
- Installation von Leitungen, Schaltern, Steckdosen und Verteilern
- Einbau von Beleuchtungs‑, Heizungs- und Lüftungsanlagen
- Integration von Smart‑Home‑Systemen und Gebäudeautomation
2. Energietechnik
Hier arbeitest du näher an Erzeugung, Übertragung und Verteilung von elektrischer Energie.
- Anlagen in Kraftwerken und Umspannwerken
- Schutz- und Schaltanlagen der Energieverteilung
- Einbindung erneuerbarer Energien in bestehende Netze
3. Anlagen- und Betriebstechnik
Schwerpunkt sind industrielle Maschinen und Produktionsanlagen.
- Aufbau, Anschluss und Inbetriebnahme von Produktionsanlagen
- Fehlersuche, Wartung und Instandhaltung
- Optimierung von Abläufen und Verfügbarkeit der Anlagen
4. Automatisierungs- und Prozessleittechnik
Dieses Modul verknüpft Elektrotechnik mit Steuerungs- und Regelungstechnik.
- Programmierung von SPS‑Systemen (Speicherprogrammierbare Steuerungen)
- Einrichtung von Sensorik und Aktorik
- Überwachung und Optimierung automatisierter Prozesse
Der Kompetenzradar der Industriellenvereinigung Kärnten zeigt, dass Digitalisierungskompetenzen mit über 20 Prozent aller Nennungen die wichtigste fachliche Zukunftskompetenz in der Kärntner Industrie sind – dazu zählen u.a. Automatisierungstechnik, Steuerungs- und Softwarekompetenzen, die im Modul Automatisierung besonders geschult werden.
Welche Spezialmodule machen für dich Sinn?
Spezialmodule vertiefen dein Profil, z.B. in Smart Home, erneuerbaren Energien oder Eisenbahntechnik.
Nach dem Hauptmodul kannst du deine Lehre mit einem zusätzlichen halben Jahr verlängern und ein Spezialmodul wählen. Beispiele sind:
- Gebäudeleittechnik
- Gebäudetechnik‑Service
- Sicherheitsanlagentechnik
- Erneuerbare Energien
- Netzwerk- und Kommunikationstechnik
- Eisenbahn‑Spezialmodule (z.B. Sicherungs‑ oder Fahrzeugtechnik)
Denk dran: Spezialmodule sind dein Hebel, um aus einem „guten“ einen „gesuchten“ Elektrotechniker‑Abschluss zu machen – je besser dein Profil zum Bedarf in der Industrie passt, desto leichter gelingt der Einstieg.
Wie sieht dein Arbeitsalltag in der Praxis aus?
Der Berufsalltag im Lehrberuf Elektrotechnik verbindet praktische Arbeit an Anlagen mit digitaler Diagnose, Planung und laufender Abstimmung im Team.
Typischerweise verbringst du deine Zeit:
- im Lehrbetrieb, in Werkstätten oder auf Baustellen
- bei Kund:innen vor Ort
- in Produktionshallen oder technischen Zentralen von Firmen
Typische Aufgaben während der Lehre Elektrotechnik:
- Kabel verlegen, Schaltschränke bestücken und verdrahten
- Messungen durchführen und Protokolle anfertigen
- Steuerungen montieren und einfache Programme anpassen
- Störungen suchen und unter Anleitung beheben
Die Ergebnisse des Kompetenzradars der Industriellenvereinigung Kärnten zeigen, dass gerade Fachkräfte in Produktion, Instandhaltung und IT besonders stark vom Wandel der Kompetenzanforderungen betroffen sind – dort steigen Digitalisierung, Automatisierung und Dokumentationsanforderungen deutlich. Das spiegelt sich im Alltag: Du arbeitest immer häufiger mit digitalen Prüfgeräten, Software zur Anlagenvisualisierung und vernetzten Systemen.
Welche Kompetenzen brauchst du – und welche entwickelst du?
Gefragt sind eine Mischung aus fachlichen Skills (z.B. Automatisierung, IT‑Security) und überfachlichen Kompetenzen (z.B. Problemlösung, Teamarbeit).
Der Kompetenzradar der Industriellenvereinigung Kärnten unterteilt die Zukunftskompetenzen der Industrie in fachliche und überfachliche Bereiche:
Fachliche Zukunftskompetenzen:
- Automatisierungstechnik und allgemeine technische Fachkompetenzen
- Elektrotechnik/Elektronik auf Facharbeiter:innen‑Niveau
- Werkstoffe, Prozesse und Qualitätssicherung
Überfachliche Zukunftskompetenzen (Soft Skills):
- Problemlösungsfähigkeit und analytisches Denken
- Teamarbeit und Kommunikationsstärke
- Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit
- Verantwortungsbewusstsein und Selbstorganisation
In der Lehre Elektrotechnik arbeitest du täglich genau an diesen Fähigkeiten: Du löst reale Probleme an Anlagen, arbeitest im Team, kommunizierst mit Vorgesetzten und Kund:innen und musst dich ständig auf neue Technologien einstellen.
Wolfgang Pucher, Bildungsexperte der IV Kärnten: „Das Zusammenspiel von Technik und Soft Skills entscheidet über beruflichen Erfolg in der Industrie.“
Welche Zukunfts- und Karrierechancen hast du nach der Lehre Elektrotechnik?
Die Jobchancen nach der Lehre Elektrotechnik sind sehr gut: Die Industrie meldet Kompetenzmangel, und es gibt zahlreiche Wege Richtung Meister, Werkmeister, Studium oder Selbstständigkeit.
Mehr als 90 Prozent der Unternehmen in Kärnten beschäftigen sich aktiv mit dem Thema Kompetenzen, und fast 80 Prozent sehen fehlende Kompetenzen als Wachstumsbremse – das bedeutet, dass qualifizierte Fachkräfte in der Elektrotechnik langfristig sehr gefragt sind.
Mögliche Entwicklungspfade nach der Lehre Elektrotechnik
- Facharbeiter:in Elektrotechnik in Industrie, Gewerbe, Energieunternehmen oder Verkehrsbetrieben
- Spezialisierung z.B. auf Automatisierung, Gebäudetechnik, Energietechnik oder IT‑nahe Bereiche
- Werkmeisterschule Elektrotechnik, z.B. an WIFI‑Standorten
- Meister- oder Befähigungsprüfung Elektrotechnik – Voraussetzung für das unbeschränkte Elektrotechnik‑Gewerbe
- Weiterbildung / Studium in Richtung Elektrotechnik, Automatisierung, Mechatronik oder Energietechnik
Der Kompetenzradar der Industriellenvereinigung Kärnten empfiehlt ausdrücklich, Lebenslanges Lernen und modulare Weiterbildungsformate zu stärken, damit Fachkräfte den steigenden Anforderungen im Bereich Digitalisierung und Technik gerecht werden können.
Wolfgang Pucher, Bildungsexperte der IV Kärnten: „Wer mit einer Lehre in der Elektrotechnik startet, öffnet sich die Tür zu einer ganzen Karriereleiter – vom Facharbeiter bis zum eigenen Betrieb.“
Wie läuft der Bewerbungsprozess zum Lehrberuf Elektrotechnik – Schritt für Schritt?
Du solltest dich informieren, Betriebe vergleichen, Unterlagen vorbereiten, Schnuppertage nutzen und deine Stärken klar kommunizieren.
- Orientierung und Infophase
- Informiere dich auf inlehre.at über den Lehrberuf, Module und Betriebe in Kärnten.
- Nutze Informationsmaterial von Industriellenvereinigung Kärnten und Industrieunternehmen, um typische Tätigkeiten und Anforderungen zu verstehen.
- Lehrbetriebe auswählen
- Filtere nach Standort (z.B. Klagenfurt, Villach), Branche und Spezialisierung.
- Berücksichtige Betriebsgröße – sowohl kleine und mittlere Unternehmen (KMU) als auch Großbetriebe nehmen laut Kompetenzradar der Industriellenvereinigung Kärnten aktiv an Kompetenzentwicklung teil.
- Bewerbungsunterlagen vorbereiten
- Lebenslauf, Motivationsschreiben, letzte Schulzeugnisse.
- Erwähne technische Interessen (z.B. Elektronik, Robotik, Informatik) und praktische Erfahrungen (z.B. Schulprojekte, Praktika).
- Schnuppertage und Vorstellungsgespräch
- Nutze Schnupperlehren, um Betriebsklima, Aufgaben und Team kennenzulernen.
- Bereite dich auf Fragen zu Motivation, Schulstärken und beruflichen Zielen vor.
- Zeige Bereitschaft, neue Kompetenzen zu lernen – das ist angesichts des steigenden Veränderungsdrucks ein zentraler Pluspunkt.
Denk dran: Gezielte Vorbereitung erhöht die Chance auf deinen Wunsch-Lehrplatz enorm. Nutze Beratungsangebote und informiere dich!
FAQ zum Lehrberuf Elektrotechnik
Was macht ein:e Elektrotechniker:in?
Elektrotechniker:innen planen, installieren, warten und reparieren elektrische und elektronische Anlagen in Gebäuden, Industriebetrieben, Energieunternehmen und Verkehrsbetrieben.
Wie lange dauert die Lehre Elektrotechnik?
Die reguläre Lehrzeit beträgt 3,5 Jahre (Grundmodul + ein Hauptmodul); mit einem zusätzlichen Spezialmodul oder einem zweiten Hauptmodul verlängert sich die Ausbildung auf 4 Jahre.
Welche Voraussetzungen sollte ich für den Lehrberuf Elektrotechnik mitbringen?
Wichtig sind technisches Interesse, logisches Verständnis, sorgfältige Arbeitsweise, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit; die Industrie betont zusätzlich Problemlösungsfähigkeit und Lernbereitschaft als zentrale Zukunftskompetenzen.
Wie sind die Jobchancen nach der Lehre Elektrotechnik?
Die Jobchancen sind sehr gut, da viele Unternehmen den Fachkräftemangel als Wachstumsbremse sehen; qualifizierte Elektrotechniker:innen finden in Kärnten und ganz Österreich Beschäftigung in Industrie, Gewerbe und Energiewirtschaft.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich nach dem Lehrabschluss Elektrotechnik?
Mögliche Schritte sind der Werkmeister Elektrotechnik, Meister- bzw. Befähigungsprüfung, spezialisierte Kurse (z.B. Automatisierung, IT‑Security) und Studiengänge an FH oder Universität; der Kompetenzradar empfiehlt, Weiterbildung als laufenden Prozess zu sehen, um mit Digitalisierung und neuen Technologien Schritt zu halten.