Digitalisierung in der Lehrlingsausbildung

Digitalisierung in

der Lehrlingsausbildung

 

Ob am Computer oder an einer Maschine, im Verkauf, in der Kundenberatung oder bei persönlichen Dienstleistungen: an digitalen Anwendungen und Tools kommst du heute in keinem Lehrberuf vorbei. Automatisierte (digitalisierte) Maschinen und Produktionsanlagen müssen eingerichtet und gesteuert werden, Tools zur Fehlerdiagnose, für Messungen und die Erfassung von Daten richtig bedient, Bürosoftware, Buchungsprogramme oder Onlineverkaufsportale sicher eingesetzt werden, und in allen Berufen musst du auf digitalem Weg mit Kolleginnen und Kollegen, Kundinnen und Kunden, Gästen, Behörden usw. richtig kommunizieren können. Auch der sichere Umgang mit Daten gehört in vielen Lehrberufen zum Alltag. Auch wenn diese Entwicklungen und Anwendungen immer einen technischen und IT-Hintergrund haben, sind die Fähigkeiten, die wir brauchen, um effizient damit umgehen zu können, nicht nur technischer Natur.

Damit Unternehmen digitale Tools und Anwendungen effektiv einsetzen können, brauchen sie gut ausgebildete Fachkräfte, die sowohl das technische Know-how als auch die sozialen und methodische Fähigkeiten mitbringen, um in ihrer täglichen Arbeit mit diesen umgehen zu können.

 

Die Entstehung neuer Lehrberufe

Es entsteht eine ganze Reihe neuer Lehrberufe, die nicht nur digitale Tools anwenden, sondern diese entwickeln und bauen und damit die Voraussetzung für Digitalisierung schaffen. In solchen Lehrberufen arbeitest du dabei mit, die Veränderungen durch Digitalisierung überhaupt zu ermöglichen. Beispielsweise braucht es Expertinnen und Experten, die die Software für digitale Anwendungen entwickeln und programmieren, dafür wurde der Lehrberuf Applikationsentwicklung – Coding geschaffen. Die Anlagen, Netzwerke und Systeme, über die in den Betrieben auf die jeweilige Software zugegriffen wird, werden von Informationstechnologen und Informationstechnologinnen installiert und laufend betreut. E-Commerce-Kaufleute betreuen die digitalen Webshops, über die Unternehmen ihre Produkte online verkaufen, während Medienfachleute in verschiedenen Schwerpunkten solche Webshops, Unternehmenswebseiten oder die Social-Media-Auftritte gestalten und für die digitale Präsenz der Unternehmen sorgen.

Neben diesen neuen Lehrberufen gibt es in vielen Modullehrberufen Haupt- oder Spezialmodule, bei denen du schon am Namen erkennst, dass hier viel Digitalisierung drinnen steckt, z.B. die Lehrberufe

  • Mechatronik mit dem Hauptmodulen Automatisierungstechnik und IT-, Digitalsystem- und Netzwerktechnik, sowie den Spezialmodulen Robotik und SPS-Technik
  • Elektrotechnik mit dem Hauptmodul Automatisierungs- und Prozessleittechnik
  • Elektronik mit dem Spezialmodul Netzwerktechnik
  • Labortechnik mit dem Spezialmodul Laborautomatisation
  • Metalltechnik mit dem Spezialmodul Automatisierungstechnik Auch in diesen Lehrberufen mit ihren digitalen Ausbildungsinhalten schaffst du viele Voraussetzungen, damit der Einsatz digitaler Anlagen, Tools und Anwendungen in den Unternehmen möglich wird.

Veränderungen durch die Digitalisierung

Während die oben genannten Beispiele sozusagen die Voraussetzungen für die Veränderungen durch Digitalisierung schaffen, erfolgt bei den meisten Lehrberufen die Modernisierung, um sie fit für die veränderten Arbeitsbedingungen und den digitalen Arbeitsalltag zu machen. Der Umgang mit und die Anwendung von berufs- und betriebsspezifischen digitalen Tools und Anwendungen (Geräten, Software, Kommunikationsformen usw.) findet sich in praktisch allen neuen und modernisierten Ausbildungsordnungen. Auch wenn die Grundprinzipien dabei in den einzelnen Berufen oft ähnlich sind, und dadurch berufsübergreifende digitale Kompetenzen aufgebaut werden können, gilt es auch die berufsspezifischen Fähigkeiten zu entwickeln. Zum Beispiel braucht es dür die Bedienung digitaler Messinstrumente auf Baustellen, in der Qualitätssicherung oder der Fehlerdiagnose anderes Know-how als für die Betreuung eines Webshops im Handel. Gleichzeitig ist es in allen Berufen gleichermaßen wichtig, erforderliche Informationen recherchieren und den Wert von Informationen beurteilen zu können oder mit Daten sensibel und verantwortungsbewusst umzugehen. Deshalb finden sich in den Berufsprofilen und Berufsbildern moderner Ausbildungsordnungen sowohl allgemeine, fachübergreifende digitale Ausbildungsinhalte wie auch berufs- und bereichsspezifische Inhalte, die charakteristisch für den jeweiligen Beruf sind. Nicht immer sind die digitalen Ausbildungsinhalte explizit als solche gekennzeichnet. Manchmal zeigen sie sich erst, wenn du dir die Ausbildungsordnungen der Lehrberufe genauer anschaust.

Veränderungen im Lernen

Mit der Digitalisierung verändert sich nicht nur, was du in der Ausbildung lernst, also die Ausbildungsinhalte, sondern auch wie du ausgebildet wirst. Das betrifft beispielsweise die Trainingsmethoden und Kommunikationsformen, den Einsatz digitaler Tools im Lernen, aber auch die Wahl des optimalen Lernortes. Nichts eignet sich in der Regel besser, um für die Realität zu lernen, als die reale Anwendung am betrieblichen Arbeitsplatz. Durch digitale Lerntools (Lern-Apps, Mikrolernen (= „Lernen in kleinen Portionen“), Quiz-Plattformen, Videoplattformen, Chatfunktionen, Simulationen,… ) kann die Ausbildung am betrieblichen Arbeitsplatz aber in vielen Bereichen zusätzlich unterstützt werden. Auch das Lernen in der Berufsschule, das Wiederholen von Lerninhalten in der Freizeit, die Vorbereitung auf Prüfungen, rasche Feedbackmöglichkeiten, der Austausch über Lern- und Ausbildungsinhalte in größeren Gruppe usw. können durch digitale Unterstützung gefördert werden. Durch Gaming-Ansätze wird außerdem das Lernen stärker mit Fun-Faktoren verbunden, indem du beispielsweise mit anderen in Wettbewerb trittst, deine Ausbilder/innen in einem Quiz herausforderst oder durch das Lösen kniffliger Aufgaben Punkte und Belohnungen sammelst, die du in der realen Welt einlösen kannst. Eines solltest du dabei aber nicht vergessen: Die Basis für deinen beruflichen Erfolg wird bei allen digitalen Ausbildungsinhalten auch weiterhin die besondere Fachkompetenz in deinem Lehrberuf bleiben.